The Admin: Klaus Puth

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Admin, Journalist, Blogger, DX-er

Montag, 17. August 2015

die neue Pjöngjang-Zeit in Nordkorea

Nun ist sie also eingeführt, die neue eigene nord-koreanische Zeitzone - exklusiv für die Demokratische Volksrepublik Korea. Von vielen Medien als weiteren Willkürakt des politischen Führers Kim Jong Un abgetan. Überhaupt erlebt man selten, dass bundesdeutsche Medien über Fakten aus dem Land nördlich des 38. Breitengrades so wie aus anderen Staaten berichten.

Nein, hier kann man dem Schubladendenken voll nachkommen (Medienmacher meinen oft, dass Bürger am liebsten alles und jedes in Schubladen oder anders gesagt in vorgefertigte Denk-Schablonen einteilen). Wie in Grimms Märchen, es gibt nur Schwarz und Weiß, gut und böse, krasse Gegensätze eben. Und da Nordkorea das letzte stalinistische Land der Welt ist - mit dem dafür typischen Personenkult um die Präsidenten-Familie -, muss also nach der so einfachen und simplifizierenden Methode der westlichen Medien alles und jedes Detail aus Nordkorea nur skurril sein, ohne tiefere Begründung, sinnlos und/oder verwirrend;  jedenfalls aufzeigend, dass die dortige Führungsebene des Landes eigentlich in einen Zirkus gehört und dort mit Popcorn beworfen werden sollte. Nahezu verrückt. So soll es sein, das ist die Schublade, in die ein ganzes Land zu stopfen ist.....

Man verstehe mich richtig: ich möchte nicht in Nordkorea leben oder dem Regime "die Stange halten", oder ähnliches. Nein, nachdem hunderttausende Nordkoreaner in diversen Hungersnöten ums Leben gekommen sind, hat die seit Staatsgründung dauerhaft regierende 'Partei der Arbeit Koreas' ihre Unfähigkeit bewiesen, das eigene Volk vor Hunger zu schützen und zu bewahren.

Jedoch sehe ich die andere Seite, die von den meisten Medien einfach ignoriert wird:
Koreas Teilung ist eine Folge des 2. Weltkrieges, es wurde - wie Deutschland - besetzt, und in der nördlichen Besatzungszone bewies die Sowjetunion, dass ein Auftrag der Vereinten Nationen (UN) nichts zu bedeuten hat. Im August 1948 wurde das sozialistische Korea als souveräner Staat gegründet, nämlich die Demokratische Volksrepublik Korea.

In der Folge hat das kleine Land den Koreakrieg (1950 bis 1953) überstanden und ein Regime etabliert, welches Nordkorea weitgehend von der Außenwelt isolierte. Trotzdem war Nordkorea bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion (Dezember 1991) fortschrittlicher und wohlhabender wie Südkorea; dies ist von der Fachliteratur allgemein anerkannt und unbestritten.

Der Koreaner an sich und vor allem der Nordkoreaner besitzt einen hohen Grad an Nationalstolz, was sich an den Monumental-Bauwerken in Pjöngyang physisch manifestiert und beweist.
Man fühlt sich durch die Indoktrinierung der 'Partei der Arbeit' sogar dem Rest der Welt überlegen, was sich in der sogenannten "Juche Ideologie" ausdrückt. Diese Ideologie ist nach dem Willen der Regierung auch Religionsersatz, treu dem Leitsatz von Karl Marx: Religion ist Opium für das Volk. Eine echte Religion wird daher in Nordkorea nicht gebraucht, Christen werden hart verfolgt.

Der durchschnittliche Nordkoreaner (vor allem, wenn er in einer Großstadt lebt) freut sich an dem Erreichten und ignoriert die Sorgen der Landbevölkerung. Er nimmt an den riesigen Choreographien teil, die immer wieder stattfinden und zehntausende von Bürgern in der Öffentlichkeit als Teilnehmer des Spektakels zeigen.
Darüber hinaus gibt es eine aktive Kultur von koreanischen Opern und Theateraufführungen und die Parteiveranstaltungen anlässlich diverser Jahrestage, die sich quer und bunt durch das Kalenderjahr ziehen. Man liebt Musik und ist musikalisch; spielt man kein Instrument, ist man gewiss im Gebrauch der Chor-Stimme geübt, besonders die Damenwelt. Beliebt ist es, traditionelle historische Kleidung zu vielen Anlässen zu tragen. -

Zurück zur Zeitumstellung: a) die neue Standardzeit hat einen tieferen Anlass, den jeder Koreaner versteht. Die Anpassung der Zeit wurde unter japanischer Kolonialherrschaft (1910-1945) eingeführt; insofern ist der jetzige Schritt nur die Rückgängigmachung einer Zwangsmaßnahme.
b) Es handelt sich um das Zurückdrehen der Uhr um 30 Minuten und ist nichts ungewöhnliches. Auch Länder wie Indien, der Iran und Myanmar haben Zeitunterschiede von 30 Minuten zu den Nachbarländern (Südkorea ebenso 1954 - 1961).

Überschriften wie "Kim Jong Un macht was er will" sind also unter Bezug auf die Zeitumstellung verfehlt und dienen dem Vorschub-leisten des eingangs geschilderten "Schubladen-Denkens".

Freie Journalisten ("frei" nicht als selbständig im steuerlichen Sinne gemeint, sondern Freidenker) werden solche Plattitüden hinterfragen und sich eine eigene kluge Meinung bilden. Intelligente Blogger wissen, daß internationale Rundfunkstationen, Kurzwellenhörer und Funkamateure schon seit über hundert Jahren die Greenwich Zeit (GMT = Greenwich Mean Time) als vereinbarte Weltzeit nutzen; 1972 wurde sie durch die quasi-identische UTC ersetzt (UTC = Universal Time Coordinated).

Die jeweilige Landeszeit ist also international fast bedeutungslos, da die "koordinierte Welt-Zeit" grenz-übergreifend oder kontinental-übergreifend zum Tragen kommt.  Dadurch ist auch die Vornahme/Nicht-Vornahme einer 'Sommerzeit' relativ gleichgültig.

Südkorea hat eine Zeitzone von "UTC plus 9". Nordkorea von "UTC plus 8,5 Stunden". Punkt. Fakt. Kein Ausrufezeichen.
Die deutsche Zeit ist aktuell im August zwei Stunden der UTC voraus. Also ein Beispiel:

9 Uhr deutsche Sommerzeit = 7 Uhr UTC.
7 Uhr UTC plus 8,5 Stunden  = 15.30 Uhr lokale Zeit in Nordkorea.

Hier dargestellt auf worldtimeserver.com:    http://www.worldtimeserver.com/current_time_in_KP.aspx


Korea hat eine uralte Kultur und ist somit eine nicht nur dem Namen nach bedeutende Nation in der Historie der Menschheitsgeschichte. Sein richtiger Eigenname ist Choson.
Viele Details machen das Nordkorea von heute aus - Sozialistische protzende Architektur, eine gast-freundliche Bevölkerung, unberührte Landschaften und abwechslungsreiche Natur, eine Menge revolutionärer Museen, eine Weltanschauung eigener Prägung, zukunftsorientierter Optimismus, aber auch eine strengbewachte Grenze. Darin sind sich die Experten einig.

Offenbach am Main ist die Stadt deutschlandweit, wo sich mehr Leute intensiv mit Nord-Korea beschäftigen, wie anderswo. Hier sei der Blog https://nordkoreainfo.wordpress.com/ genannt, der sich unter
Insidern als beste Analyse-Quelle im gesamten deutschsprachigen Raum herausgestellt hat und selbst von der Elite in Pjöngjang gelesen wurde. Der Betreiber Tobi hat die Arbeit am 31.7.2015 beendet, Danke an Dich.
Hier ein Zitat aus seinem letzten Beitrag:

Glaubt nichts, was…
…in Deutschland über Nordkorea gesagt wird
…in den USA über Nordkorea gesagt wird
…in China über Nordkorea gesagt wird
…in Südkorea über Nordkorea gesagt wird
…in Nordkorea über Nordkorea gesagt wird
Die Wahrheit liegt immer irgendwo dazwischen. Deshalb muss man sich ein möglichst breites Bild über Wahrnehmungen und Aussagen machen und dann schauen, was Gemeinsamkeiten sind, was Unterschiede und was bei wem fehlt.
Um ein Ereignis verstehen zu können, sollte man immer versuchen herauszufinden, wer die Akteure sind und was ihre Interessen sind, oder sein könnten. Eine Analyse, die beinhaltet: “Nordkorea macht das aus diesem und jenem Grund, weil es dieses und jenes Interesse hat.” ist für die Tonne.  Zitatende

Diese kurzen Sätze sagen als Quintessenz alles, was man über Nordkorea wissen muss: vertraue niemand.
Fast jede Nachricht über oder aus Nordkorea wird von jemand mit einer gewissen Absicht verfasst.
Und die WAHRHEIT steht ausschließlich zwischen den Zeilen. Ausschließlich...... !

Deutsche Medienmacher übernehmen eine Meldung meist oder fügen irgendwelches blödsinniges Beiwerk hinzu, was dem Schubladen-Denken entspricht. Man denkt, daß der Bürger denkt, die Einordnung schubladen-weise sei gut und erleichtere die Einordnung. Dem   f r e i e n    Bürger aber ist bewusst, wie primitiv und anti-intelligent große Teile der deutschsprachigen Presse damit vorgehen. Netz-politische Blogger versuchen, differierende Sichtweisen im Web als Meinung zu präsentieren; diese Meinung ist eine oft widersprechende, tiefer-gehende, produktive und immer konstruktiv ohne Hass veröffentlichte Meinung -- wozu uns das Netz glücklicherweise im allgemeinen und die grundgesetzliche Freiheit im besonderen das Recht gibt........ wie ich meine, ist dies am Ende des Weges sogar eine Pflicht und Verpflichtung, um die Freiheit des Denkens tagtäglich zu verteidigen. -


Der Editor Klaus

Flag of North Korea.svg